Autoren-Stimmen

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Zitat

Manfred Dinser
(Selbst­justiz im Schweine­stall)

... mein erster Eindruck, dass hier Leute mit ganzem Einsatz und großer Leidenschaft am Werk sind, hat sich in jeder Hinsicht voll bestätigt.

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Buchregal

Das Erfolgsrezept

Erinnerungen eines unverbesserlichen Schwaben

Art: Taschenbuch
Seiten: 204
mit zahlreichen Karrikaturen
von Heinrich Loy
ISBN: 978-3-941275-19-5
Preis: € 12,80
Erscheinungstermin: Juli 2010

Man nehme eine gehörige Portion Lebensfreude, füge reichlich Abenteuerlust hinzu, würze das ganze mit einem kräftigen Schuss Schlagkräftigkeit und runde alles zum Schluss mit einer großzügigen Prise Originalität ab.
So etwa könnte das Erfolgsrezept Manfred Dinsers für ein ebenso bewegtes wie erfülltes Leben lauten, auf das der bekannte Sigmaringer auch in seinem neuen Buch zurückblickt. Ob in seiner langjährigen Berufslaufbahn als Bäcker- und Konditormeister, oder in seiner sportlichen Karriere als Trainer der studentischen Ski-Alpin-Nationalmannschaft: Immer beweist der launige Geschichtenerzähler seinen ausgeprägten Sinn für unkonventionelle Lösungen und zeigt, dass er auch sogenannten Autoritätspersonen gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt.

Leseprobe

Per Retourkutsche zum Ziel

Etwa 14 Tage vor meiner Gesellenprüfung bestellte mich der Chef in sein Büro. Ich befürchtete, dass ihm meine vielfältigen sportlichen Betätigungen ein Dorn im Auge waren. Aber er meinte nur, es wäre jetzt mal an der Zeit, mich etwas gründlicher auf die Prüfung vorzubereiten. Daraufhin bemerkte ich: „Ich habe drei Jahre in einem ausgezeichneten Ausbildungsbetrieb unter einem hervorragenden Meister meinen Beruf erlernt. Wenn ich die Prüfung nicht schaffen sollte, bin ich es nicht wert, den Gesellenbrief zu erhalten!"
Er war baff über meine Selbstsicherheit: „Da hast du allerdings Recht!" - Das war sein einziger Kommentar.
An diesem wichtigen Tag musste ich nach Konstanz fahren; der Prüfungsbetrieb war das „Café Boe". Ich hatte den ganzen Tag Zeit, um die Prüfungsaufgaben zu erfüllen, und alles lief ohne Probleme ab. Ich war richtig stolz auf meine Backwaren, die am anderen Tag in der Handwerkskammer zur Begutachtung ausgestellt wurden. Und es ärgerte mich sehr, dass einige Prüflinge ihre Produkte zum Teil in anderen Konditoreien gekauft und als eigene ausgestellt hatten. Denn den Prüfern war das anscheinend gar nicht aufgefallen.
Aber dann, am zweiten Tag, stand die theoretische Prüfung an. Beteiligt waren der Obermeister, sieben Meister und jeweils ein Geselle, der sich der Befragung stellen musste.
Da ich rhetorisch schon immer gut war, beantwortete ich alle Fragen so ausführlich, bis einer der Prüfer abwinkte. Ich hatte also das durchaus berechtigte Gefühl, dass bisher alles sehr gut für mich gelaufen war. Doch dann kam der Stolperstein: Der älteste Meister fragte mich: „Was ist Spinnstzucker?"
Davon hatte ich noch nie etwas gehört oder gelesen. Ich bemerkte jedoch, dass auch er sich bei der Frage etwas zögerlich verhielt. Mein erster Impuls war, ihn zu fragen, ob es das war, was er im Kopf hatte. Aber ich wollte mein bisher gutes Prüfungsergebnis ja nicht gefährden.
Deshalb sagte ich: "Leider weiß ich nicht, was ‚Spinnstzucker' ist. Ich habe auch noch nie in einem Fachbuch darüber etwas gelesen. Aber ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir helfen würden, diese Wissenslücke zu beseitigen!"
Daraufhin bekam er einen roten Kopf und blätterte in seinem schlauen Buch. Doch er suchte offenbar vergeblich nach der Stelle mit dem „Spinnstzucker". Es herrschte im Raum eine betretene Stille. Einer der Prüfer sagte schließlich: "'Spinnstzucker' wird für Dekorationszwecke hergestellt. Man schleudert den gekochten Zucker zwischen zwei Eisenstangen mit einem Schneebesen hin und her. Das ergibt dann eine wunderschön glitzernde Wolke ... - diese Methode wird aber schon seit Jahren nicht mehr verwendet!"
Höflich bedankte ich mich bei ihm für diese Aufklärung. Aber auch bei allen anderen Anwesenden erfolgte ein Aufatmen, und ich konnte mich über ein gutes Prüfungsergebnis freuen. - Ich möchte allerdings ausdrücklich hinzufügen, dass ich mich nicht gerne verarschen lasse!

Die asiatische Delegation

Universiade und Weltmeisterschaft in Spanien; unsere Unterkunft: ein Riesenhotel mit ungefähr 600 Betten. Ich war immer der Meinung, Funktionäre wären für die Sportler da. Aber bei der japanischen Delegation wurde ich eines Besseren belehrt. Beim Einmarsch der Nationen kamen die Japaner mit 48 Aktiven und 300 Funktionären.
Alle waren in weiße Ledermäntel mit Pelzbesatz gekleidet und hatten weiße Pelzmützen auf.
Die asiatische Delegation erschien mir beim Einmarsch endlos. So war es auch im Hotel: Sie waren immer die Ersten am Buffet, die Europäer mussten dann wohl oder übel mit den Resten vorlieb nehmen. Auch dort war von der sprichwörtlichen ostasiatischen Höflichkeit nichts zu bemerken: Sie gingen immer in Vierer - und Fünferreihen durch die Gänge. Ausweichen oder den Entgegenkommenden Platz machen - das schien für die Japaner nicht zu gelten. Nach ein bis zwei Tagen hatten sich die anderen Delegationen darauf eingestellt. Vor allem die russische Eishockey-Mannschaft reagierte darauf, indem sie einige Asiaten buchstäblich an die Wand warfen oder kurzerhand zu Boden beförderten. Die Russen, aber auch die anderen Mannschaften hatten offenbar ihre Freude an der Demonstration ihrer Macht, Und dies zeigte schon bald ihre Wirkung - allerdings nicht im großen Speisesaal.
Dies war die willkommene Gelegenheit für mich, in Aktion zu treten! Ich wettete mit unserem Delegationsleiter um ein gepflegtes Abendessen für meine komplette Mannschaft, dass am nächsten Morgen nur Dreiviertel der Japaner zum Frühstück erscheinen würden. Top, die Wette galt! Ich hatte nämlich beobachtet, dass die Japaner ihre Schuhe jeden Abend vor ihren Zimmertüren abstellten.
Sie wurden dort zwar nicht bis zum nächsten Morgen geputzt, aber scheinbar gehörte das zu ihrer Tradition.
Ich stellte meinen Wecker auf 2 Uhr nachts, und mit drei großen, leeren Reisetaschen machte ich mich auf den Weg zu dem Hotelflügel, in dem alle Japaner untergebracht waren. Ich schnappte mir vor jeder Tür von jedem davor stehenden Paar einen einzelnen Schuh und steckte den in eine der Taschen. In den nächsten beiden Hotelflügeln packte ich dann die einzelnen Schuhe der Japaner vor völlig fremden Zimmertüren wieder aus. Diese Aktion dauerte fast zwei Stunden, aber das schien mir der Spaß wert zu sein.
Und tatsächlich hatte ich am nächsten Morgen meine Wette haushoch gewonnen. Denn als die ersten Japaner irgendwann auftauchten, hatten die meisten Sportler be-reits gefrühstückt. Im Ergebnis hielten sich die Japaner von diesem Zeitpunkt an auch in anderen Dingen etwas mehr zurück. Meine Mannschaft bedankte sich anschließend bei mir für das vortreffliche Abendessen. Die Mutmaßungen und Verdächtigungen bezüglich des seltsamen Sinneswandels unter den Japanern sorgte dann bei den verschiedenen Nationen noch lange für Gesprächsstoff.