Ein Hund und eine Seele
Warum wir unsere Haustiere so vermissen
Autor: Holger Weinert
Art: Taschenbuch
Seiten: 170
ISBN: 978-3-941275-30-0
Preis: € 10,95
Lieferbar auch über Libri, KNV etc.
Den Fernsehzuschauern ist der beliebte Moderator des Hessischen Rundfunks von Sendungen wie der "vipshow" oder der "hessenschau" schon seit langem bekannt. Doch nur wenige kennen auch den Menschen Holger Weinert. In seinem neuen Buch gewährt er den Lesern einen sehr persönlichen Einblick in einen wichtigen Abschnitt seines Lebens, der durch seine Golden-Retriever-Hündin "Paula" bestimmt war. Auf gewohnt amüsante und unterhaltsame Weise erinnert sich der Journalist daran, wie die selbstbewusste Hundedame an seiner Seite die Herzen der Fans eroberte und bei Begegnungen mit Prominenten wie Steffi Graf oder Sir Peter Ustinov für Erheiterung und Aufregung sorgte. Auch wenn Paula mittlerweile über die "Regenbogenbrücke" gegangen ist, bleibt die Frage aktuell, warum der Verlust eines geliebten Tieres eine so große Lücke zurücklässt. Tatort-Kommissar Ulrich Tukur, Schriftstellerin Eva Demski, der Psychoanalytiker Prof. Dr. Adrian Gaertner und andere erklären, was der Tod so enger Weggefährten in uns auslöst.
Leseprobe
TV-Schaffen
einer V.I.P.-Hundedame
Es sollte sich im Folgenden als genialer Coup herausstellen, meine Blonde in unsere noch recht neue V.I.P.- Sendung einzubauen. Sie erwies sich dabei als eine Art sozialer Tür- und Seelenöffner. Während Steffi Graf z. B. bei dem Kollegen und damaligen Sportchef rumzickte (und das zu Recht), sank sie bei uns auf den Boden, streichelte den jungen Hund minutenlang und beantwortete uns dabei jede Frage. Paula warf sich vor den meisten Gästen und Interviewpartnern sowieso sofort auf den Rücken. Sir Peter Ustinov rief nach seinem Auftritt bei uns der enthusiastisch blickenden Hündin noch aus dem Auto Drolliges hinterher. Und in Adelskreisen waren Hunde ja eh immer schon der Hit, auch wenn dies vor allem für Möpse gilt, die ich ehrlich gesagt eher seltsam finde - ich bin halt spießig und stehe auf ganz konventionelle Schlappohr-Hunde.
Als Landgraf Moritz von Hessen uns die Tür öffnete und auf einen Schlag drei Möpse zum Vorschein kamen, steckte ich mein eifersüchtiges Mädchen erst mal ins Auto. Sie muss diese drollige Hunderasse wohl genau wie ich etwas sonderbar gefunden haben. Vielleicht lag das bei Paula auch daran, dass sich diese Tiere immer so darüber aufregten, dass sie so beweglich und wild war. Auch als der Landgraf zum Mopstreffen auf SchlossFasanerie lud, war mein Hund nicht eben opportun. Der Hochadel beweist ja gern ein bisschen Verrücktheit und besonderen Stil. Dieses Mopstreffen fand dann auch zu Ehren und im Andenken an die verstorbene Tante des Landgrafen, Prinzessin Margaret, statt. Sie war die letzte Vertreterin des einstigen Herrscherhauses Hessen-Darmstadt und sammelte Skulpturen dieser kleinwüchsigen und rundlichen Rasse. Zur Ausstellung all dieser Preziosen wurde auch der Deutsche Mops-Club geladen, mit seiner Vorsitzenden, die sehr stark mit dieser Hunderasse identifiziert war und ihren Lieblingen möglicherweise äußerlich schon etwas glich, jedenfalls was die schwarzen Tiere betraf. 28 kleine Hunde wuselten herum, alle trugen ein Schleifchen. Als der Landgraf zur Fütterung schritt und dem Schein nach als erster in ein Leckerli biss, war die Stimmung groß. Dem hätte sich bei ähnlichen Anlässen auch Paula nicht ganz entziehen können: Wenn Menschen laut lachten, bellte sie automatisch mit.
Hatte ich den Hund mal bei einem V.I.P-Termin nicht dabei, erntete ich dafür überall gleich nur Protest. Das war auch einmal bei einem Krimi-Dinner im feinen Frankfurter Hof der Fall, als man für Paula - sehr hundefreundlich - ein eigenes Buffet aufgebaut hatte: Auf zwei Riesennäpfen prangte stolz ein Schild mit ihrem Namen. Das Dumme war nur, dass die prominente Hundedame bei diesem Termin eben gar nicht erschienen war. Denn zweifelsohne waren Dreharbeiten ohne ein wild an der Leine in alle Richtungen zerrendes Begleittier weniger anstrengend. Es half aber nichts, sie musste her, allein für das Motiv: Paula an ihrem eigenen Buffet.
Also bestellte ich ein Taxi, das mein Mädchen zuhause abholen sollte. Dem Fahrer war der Passagier, wie immer aufrecht auf der Rückbank sitzend, zugegeben etwas unheimlich. Und als das Taxi endlich vor dem Frankfurter Hof vorfuhr, löste das extreme Heiterkeit bei den Geladenen aus. Herr Carl, der Traditionsconcierge des Hauses, empfing den sehnsüchtig erwarteten Gast - und nie vergesse ich die Szene, die sich daraufhin abspielte:
Herr Carl, klein und zierlich von Gestalt, führte, oder vielleicht treffender, wurde von ihr an der Leine durchs Portal geführt. Sofort hatte sie gecheckt, wo die eigentliche Party spielte, und schleifte den hilflosen Portier über den glatten Marmorboden hinter sich her direkt zu ihrem Buffet. Unter den Zuschauern herrschte eine Riesenstimmung, aber der ehrwürdige und immer sehr gemessen und höflich auftretende Herr Carl hatte mein ganzes Mitgefühl.
Glatte Böden waren überhaupt Paulas Spezialität. Wie sie z. B. auch bei uns im Hessischen Rundfunk durch die Flure sauste, um dann wie bei „Tom & Jerry" plötzlich abzubremsen und gefühlte drei Meter weiter über das glatte Parkett hinweg zu rutschen, war stets zum Schreien.
Und bald war es dann auch soweit: Ich wurde von allen nur noch „mit Hund" als vollständige Person wahrgenommen.
Jeder, der mich sah, fragte erst mal: „Wo ist der Hund?". Und die meiste Zuschauerpost, die an mich adressiert war, enthielt auch ein Leckerli. Auf Partys und gesellschaftlichen Anlässen sorgte ich mit ihr stets für Erheiterung und endlosen Gesprächsstoff. Allerdings machten sich viele Partygäste auch einen Spaß daraus, Paula mit feinsten Häppchen vom Buffet zu füttern, was dazu führte, dass sie gewöhnliches Hundefutter
oft schon borniert stehen ließ. Dann schaute sie aus ihren ungewöhnlich großen und wie mit dem Kajalstift umrandeten dunklen Augen - als wollte sie sagen: „Das ist ja wie bei armen Leuten. Hast du mir nichts anderes zu bieten?"



