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Adrian

Buchbild

Autor: Kristina Bialek



Art: Softcover
Seiten: 400
ISBN: 978-3-941275-93-5
Preis: € 13,95

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Nach einem Zusammenbruch wird die temperamentvolle Ricarda Overbrugg die Patientin des ausgesprochen charmanten Chefkardiologen Dr. Adrian Gräfenthal. Sie ändert ihr Leben rigoros und lässt sich von ihrem Arzt auch von der Implantation eines Ereignis-Rekorders überzeugen. Dieser soll ihre Herzaktivitäten überwachen. Die Atmosphäre zwischen Arzt und Patientin knistert zunehmend und Ricardas Leben nimmt langsam, aber sicher beruflich und privat wieder vernünftige Formen an. Bis aus heiterem Himmel unbekannte Daten in ihrer Patientenakte auftauchen. Darüber hinaus werden Manipulationen an ihrem Rekorder vorgenommen, die sie sich nicht erklären kann. Auch der Chefkardiologe scheint ratlos, gerät aber zunehmend enger ins Visier. Die Vorfälle werden immer mysteriöser und bedrohlicher. Ricarda ist mit den Nerven völlig am Ende. Sie misstraut nun jedem und isoliert sich, da ihr auch die Polizei nicht helfen kann. Dann stellt sie aber fest, dass die jüngeren Vorfälle wohl einem ausgeklügelten System folgen. Und als bei einer Überprüfung dann auch noch das Alibi des Chefarztes platzt, beschließt sie, der Sache auf eigene Faust auf den Grund zu gehen.
Foto: Kristina Bialek

Kristina Bialek

Kristina Bialek ist Diplom-Kauffrau und arbeitet als langjährige Geschäftsführerin einer Unternehmensberatung im Rheinland. Seit Herbst 2011 findet die passionierte Erzählerin Gefallen am kreativen Schreiben.

Leseprobe

Sehr, sehr nachdenklich nahm ich mir anschließend ein Glas Wein und schaute aus dem Fenster in die Nacht.
Ja, es hatte geholfen und ich war mir sicher, dass ich auch ein Ergebnis bekommen würde. Den Sonntag würde ich nicht mit Nachdenken verbringen, nahm ich mir vor, denn das würde keinen Sinn machen. Ein Termin bei Gräfenthal in der Folgewoche jedoch sehr viel mehr.
Also machte ich mir eine kleine Notiz und trank etwas später aus.
Der Sonntag hatte, wie geplant, ganz andere Themen. Nur zwischendurch mal einmal nicht. Denn ich telefonierte eine ganze Weile mit Maja, die voller Begeisterung Raffaels Vorschlag zustimmte. Ich grinste. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Allerdings fragte ich mich, ob sie lieber wollte, dass es Gräfenthals IP war oder nicht.
Ich ärgerte sie damit und wir quatschten anschließend noch gemütlich über völlige Belanglosigkeiten.
So kam der Montag, ich nahm mir mein Telefon am späten Vormittag und rief mal wieder in der Klinik an.
„Ich brauche bitte einen Gesprächstermin bei ihm“, forderte ich fröhlich von Verena Aschau, nachdem wir einen Moment geplaudert hatten.
„Ja, kein Problem. Ich könnte Ihnen kommenden Freitag anbieten, ginge das?“
„Ja, sicher geht das. Ich richte es ein. Wieviel Uhr?“
„Hm, wie wäre es gegen zwei?“
Ich dachte kurz nach und stimmte dann zu. „Ja, passt, nehme ich.“
Noch zwei, drei Minuten andere Dinge und ich legte auf.
Voll zufrieden ging die Woche dann auch fleißig ins Land, bis es schließlich Freitag wurde.
Fiona wusste Bescheid und würde die Stellung halten, also machte ich mich in Ruhe auf den Weg zu meinem Doc. Ich war aufgeregt, weil ich so gar keine Ahnung hatte, wie sich das Gespräch entwickeln würde. Sicher war für mich nur, dass es irgendeine Art von Erkenntnis bringen würde. Musste.
Also klopfte ich bei Verena Aschau an und steckte den Kopf zur Tür rein. Sie telefonierte gerade und winkte nur schnell. Ich zog mich zurück und suchte mir einen Stuhl.
Ein paar Minuten später kam sie aus ihrem Büro und wir begrüßten uns schnell.
„Wird noch einen kleinen Moment dauern“, erklärte sie mir gutgelaunt, „aber nicht ewig.“
„Ist okay, danke.“
Sie verschwand wieder und ich setzte mich erneut.
Solche Wartezeiten nerven die meisten Menschen. Doch eigentlich haben sie durchaus was für sich. Man kann sich so schön den Gedanken hingeben, für die sonst meist keine Zeit oder Ruhe ist. Gut, die Wartezeit sollte nicht zu lang sein, denn das verdirbt den Effekt.
Also tagträumte ich vor mich hin und sorgte so dafür, dass ich ruhig blieb und lediglich erwartungsvoll war.
Gräfenthals Vorzimmer bat mich nach einer Weile schließlich herein und ich begrüßte ein paar Sekunden später meinen Chefkardiologen mit strahlendem Lächeln.
Seines war nicht minder einnehmend. „Frau Overbrugg. Schön, Sie zu sehen. Kommen Sie jetzt wöchentlich vorbei?“
Prima, er war ausgesprochen gut drauf. Das kam mir nur entgegen.
„Wenn Sie Wert darauf legen, sehr gern.“
Er lachte warm. „Ach, wenn ich doch nur wirklich alles bekäme, auf das ich Wert lege“, meinte er auch nur und bot mir den Stuhl an.
Ich setzte mich und betrachtete ihn erst einmal genauer. Er wirkte einigermaßen entspannt und ich hoffte, das nicht zu zerstören mit meiner Frage, meinem Wunsch oder was immer das war.
„Was kann ich denn heute Nettes für Sie tun?“, fing er dann an.
„Ach, wissen Sie“, sagte ich, „Sie können mir mal eine Frage beantworten, bitte.“
Er nickte auffordernd. „Gern. Wenn ich kann.“
So, also auf!
„Dr. Gräfenthal, ich habe mich am Wochenende ausführlich mit einem sehr guten Freund über diese ganze mysteriöse Geschichte mit den Dateneinträgen, den Resets und Tralala unterhalten.“
Sein Gesichtsausdruck wurde ernst und konzentriert. „Ja.“
Ich sortierte mich schnell. „Und dabei kam die meines Erachtens recht logische Frage auf, ob Sie Ihren Admin nicht vielleicht doch mal kontaktieren wollen.“
Er zog eine Augenbraue hoch. „Frau Overbrugg, ich sagte Ihnen dazu ja bereits etwas.“
„M-hm. Das verstehe und akzeptiere ich auch. Doch unabhängig davon möchte ich ganz gern herausfinden, was hier los ist.“ Ich schwieg kurz und musterte ihn. „Sie ja sicher auch.“
Er nickte deutlich. „Natürlich. Aber ...“
Ich schnitt ihm das Wort ab. Unhöflich, doch notwendig. Er würde es mir nachsehen, dachte ich nur.
„Ich denke, es ist eine Frage der Prioritäten“, machte ich weiter.
Seine zweite Augenbraue wanderte ebenso hoch, während er wartete, was da jetzt wohl so käme.
„Ich dachte nur, vielleicht erkundigen Sie sich mal bei Ihrem Admin, von welchem Rechner die Eintragungen überhaupt kommen. Er müsste das bei festen IP-Adressen sehen können.“
Ich musste innerlich lachen, denn ich sprach, als wäre das das Normalste auf der Welt. Dabei war es für mich völliges Neuland.
„Irgendeine unverfängliche Erklärung dafür können wir uns ja einfallen lassen“, meinte ich noch und beobachtete ihn dabei.
Er verschloss sich. Zumindest sah es so aus. Sein Blick zog zu und auch das angedeutete Lächeln verschwand. Allerdings betrachtete er mich mit zunehmender Intensität.
Hu, dachte ich, so ein Blick war aber ganz nah am Röntgen. Doch ich zuckte nicht mit der Wimper.
„Nun, was meinen Sie dazu?“, fragte ich dann auch schon.
Nichts meinte er dazu, denn er schwieg und sah mich weiter mit diesem extrem durchdringenden Ausdruck an.
„Na?“, forderte ich ihn noch einmal auf.
Immer noch nichts.
„Wenn Sie vorhaben, mich mit Ihrem Blick in ein Häufchen Asche zu verwandeln“, erklärte ich ihm trocken, „könnte Ihnen das so gelingen.“
Das half ein wenig. Ernst blieb er nach wie vor, allerdings antwortete er mir immer noch nicht auf meine Frage. Ein simples „Entschuldigung“ kam, mehr nicht.
Ich sah ihn mir noch genauer an und seufzte schließlich leise.
„Dr. Gräfenthal, welcher Teil dieses Vorschlags ist denn so kompliziert? Ich sagte ja schon, ich verstehe Ihre Einstellung. Nur werden wir beiden Intelligenzbestien doch wohl eine plausible, harmlose Begründung finden.“ Ich versuchte es nun etwas humorvoll.
Auch das half nicht. Merkwürdig, dachte ich nur. Das war doch wirklich nicht so schwierig. Eigentlich.
Er senkte den Blick und betrachtete einen Moment seine Schreibtischplatte. Dann sah er wieder hoch und mich direkt an.
„Frau Overbrugg“, fing er dann doch endlich zu reden an. „Frau Overbrugg, ich bin mir sicher, dass wir da etwas Geeignetes fänden.“
Ah, es wurde so langsam. Ich atmete auf.
„Aber?“, fragte ich vorsichtig an, denn ein unausgesprochenes „Aber“ hing in der Luft.
Er schwieg wieder. Also, so richtig verstand ich nicht, was er hatte.
„Aber?“, bohrte ich also noch einmal nach.
Doch er seufzte nur leise und senkte für weitere zwei Sekunden den Blick. Als er ihn daraufhin wieder hochnahm, sah ich etwas in seinen Augen, das ich noch viel weniger verstand. Und wenn ich nicht vollkommen verkehrt lag, war das so was wie Niedergeschlagenheit.
Ich schüttelte unwillkürlich den Kopf und sah weg. Niedergeschlagenheit? Nein. Wieso? Wenn er seinen Administrator nicht fragen wollte, dann war das eben so. Das war kein Grund für so etwas wie Niedergeschlagenheit. Die müsste ich in dem Fall empfinden, denn das wäre ein nicht zu entkräftendes Argument, dass er sehr wohl wusste, was hier vorging.
Ich sah ihn wieder an.
„Muss ich Sie gerade verstehen?“, fragte ich ihn leise und der Ausdruck in seinen Augen veränderte sich. Allerdings nur minimal.
Noch ein paar sehr lange Sekunden später und er seufzte tief, sah wieder einmal kurz runter, und als er dann den Blick wieder auf mich heftete, war alles anders.
„Frau Overbrugg“, kam mit einem erneuten tiefen Seufzer, „das müssen Sie nicht. Denn das können Sie nicht.“
Er machte wieder eine Pause und ich dachte bereits, dass das alles jetzt noch Stunden so weitergehen könnte. Doch die Zeit und Lust hatten sicherlich weder er noch ich.
Also sah ich ihn einfach auffordernd an und sagte nichts.
Er schien sich zu sortieren. Gut, dachte ich, warten lohnt sich ja meistens.
„Ich“, fing er bedächtig an, „ich muss unserem Admin keine Begründung geben.“
Aha. Was dann? Ich wartete weiter.
„Ich“, fing er erneut leise an, „habe ihm bereits eine gegeben.“
Damit war erst mal Schluss bei ihm und ich saß da wie vom Donner gerührt. Was? Er hatte eine gegeben? Ich schüttelte noch einmal den Kopf. Das hieße ja, dass er seinen Admin doch bereits angesprochen hatte. Aber wieso eierte er dann so darum herum? Das war doch, was ich wollte.
„Ähm, Sie, also, nicht dass ich das falsch verstehe“, versuchte ich vorsichtig und sah ihn an. Sein Blick flackerte ein kleines bisschen, mehr nicht.
„Also, ich meine, Sie haben Ihren Admin gesprochen? Wieso sagen Sie mir das nicht?“, wurde ich langsam wieder kontrollierter.
Er sagte nichts, sondern beobachtete mich lediglich.
„Okay, okay. Sie haben ihn also gesprochen“, sortierte ich mich weiter. „Was sagt er denn?“
Nichts, nur diese stumme Beobachtung. Er machte mich wahn-
sinnig.
Anders: „Kann er den Rechner zuordnen?“, war ja eigentlich meine wichtigste Frage.
Gräfenthal machte allerdings nur weiter mit seiner recht befremdlichen Art, mich zu betrachten.
„Kann er?“, hakte ich noch einmal nach, dann gab ich auf. Ich sah in seinen Augen, dass das der falsche Weg war. Also dachte ich nach. Wieso hatte er eigentlich nachgefragt? Er war doch so vehement dagegen gewesen. Auch nachvollziehbar, zumindest das Zögern. Ich blickte kurz weg, sah aus dem Fenster und sammelte mich.
„Gut. Dr. Gräfenthal, der Kommunikativste sind Sie ja so gerade nicht, also fasse ich mich kurz: Wieso haben Sie alle Bedenken über Bord geworfen und sich doch an Ihren Admin gewandt?“
Es klappte, er musste kurz lächeln und auch sein Blick änderte sich. Insgesamt hätte ich gesagt, er taute auf. Doch so ganz richtig war das nicht. Denn er war nach wie vor mehr als zurückhaltend.
Ich nicht. „Na? Wieso also?“, fragte ich ihn, mittlerweile ein klein wenig genervt. Ich hatte ja Verständnis in jeder Hinsicht, wenn Dinge etwas komplizierter und belastender wurden. Doch was war das hier?
„Ich“, fing er überaus langsam an und musterte mich dabei wieder mal sehr konzentriert. „Ich musste mich der Tatsache stellen, dass ich ihn über solche Vorfälle informieren muss.“
Sprach’s und sah mich an, als wäre damit alles erklärt.
Ah, ja. Möglicherweise war damit ja alles erklärt, nur verstand ich es nicht.
„Ähm, das ist schon irgendwie klar“, versuchte ich mich vorsichtig an ihn heranzutasten. „Doch Sie waren ja durchaus nachvollziehbar so sehr dagegen, ihn zu sprechen.“
Ich sah wirklich kein Land.
Gräfenthal hingegen beobachtete mich nur. Dann legte er allerdings leise nach: „War ich. Doch ich habe eingesehen, dass ich damit nicht richtig lag.“ Er machte eine kleine Pause. „Also habe ich ihn bemüht.“
Ich schüttelte kurz den Kopf und versuchte, in seinem Blick zu lesen. Ging nicht.
„Dr. Gräfenthal, wenn es Ihnen nicht allzu viel ausmacht, fände ich es ganz nett, Sie würden sich etwas weniger kryptisch ausdrücken“, hielt ich ihm vor und lehnte mich dabei leicht genervt zurück. „Sie haben also Ihren Admin doch zu Rate gezogen, schön“, meinte ich leise und sah erst mal aus dem Fenster.
Dann hörte ich ihn sich räuspern. Also sah ich ihn wieder an. In den paar Sekunden schien sich seine ganze Mimik gewandelt zu haben. Jetzt sah er wenigstens einigermaßen offen aus.
„Und wieso haben Sie mir das nicht gesagt?“, wiederholte ich meine Frage von vorher.
Er lächelte lediglich angedeutet und extrem kurz. „Weil, Frau Overbrugg, ich das erst einmal selbst verarbeiten wollte. Musste“, fügte er leise hinzu.
„Und was, bitte, mussten Sie verarbeiten?“ Mir riss der Geduldsfaden. „Mein Gott, muss ich Ihnen denn wirklich jedes Wort aus der Nase ziehen? Ich habe doch sicherlich das Recht zu erfahren, was Sie da herausbekommen haben. Es ist schließlich mein Rekorder und meine Akte!“
Ich schnaubte böse und sah wieder aus dem Fenster. Ruhig, Ricarda, so kommst du nicht weiter, riet ich mir selbst. Das war allerdings etwas schwierig, denn ich kochte innerlich. Also sah ich ihn wieder an. Und erstaunlicherweise war Gräfenthals Blick mittlerweile komplett offen. Besser noch, er lächelte mich auf eine fast schon melancholische Art an. Dabei studierte er mein Gesicht, als wollte er es sich bis in alle Ewigkeit einprägen.
Und da ich so überhaupt nichts mehr verstand, beschloss ich, gar nichts zu tun. Ich erwiderte also nur seinen Blick und versuchte, mein Kochen abzustellen.
Schließlich gab er sich einen Ruck. Er räusperte sich noch einmal kurz und sein Lächeln wurde etwas dunkler.
„Sie haben recht“, meinte er leise und wartete noch einen kleinen Augenblick. „Ja, Sie haben recht. Ich hatte nur gehofft, ich würde noch mehr in Erfahrung bringen können, bevor ich Sie informiere.“ Dabei zuckte er bedauernd mit einer Achsel.
Ich wartete weiter und beobachtete dabei sein Gesicht. Seine Augen wurden noch einmal dunkler und sein Lächeln jetzt geradezu traurig.
„Ich fasse mich kurz: Wir haben feste IP-Adressen. Unser Admin hat geprüft, von welchem Rechner die Einträge stammen. Und“, er holte leise Luft, „es hat sich gezeigt, dass sie von meinem Rechner stammen.“