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Anruf um halb fünf

Buchbild

Autor: Kristina Bialek



Art: Softcover
Seiten: 398
ISBN: 978-3-941275-71-3
Preis: € 13,95

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Nach dem schrecklichen Tod ihres Ehemanns hat die Unternehmensberaterin Chiara Rieffenbach nach Jahren der Trauer in ihrem besten Freund, dem Konzernvorstand Christian Waidenfels, eine neue Liebe gefunden. Die Flitterwochen der beiden nehmen jedoch ein jähes Ende, als Chiara erfährt, dass ihr Freund, der Chefarzt Prof. Dr. Andreas Hochstätter, Opfer eines Raubüberfalls wurde. Während sich die frisch Vermählte aufopferungsvoll um den schwer Verletzten kümmert, ermittelt sie gleichzeitig auf eigene Faust nach den Tätern und liefert damit der Kriminalpolizei die entscheidenden Hinweise zur Überführung. Obwohl Andreas ein ungeduldiger Patient ist und mit Christian um Chiaras Liebe rivalisiert, zeigt sich dieser ihr gegenüber unerwartet verständnisvoll
und entgegenkommend. Doch dann stolpert Chiara durch Zufall in Christians Arbeitszimmer über professionell erstellte Fotos, auf denen sie mit Andreas in vertrauter Zweisamkeit zu sehen ist. Eine Welt bricht für die sonst so lebenslustige Chiara zusammen. Was beabsichtigt Christian mit diesen Fotos und steckt hinter seiner großzügigen Toleranz vielleicht noch ein ganz anderer Grund?
Foto: Kristina Bialek

Kristina Bialek

Kristina Bialek ist Diplom-Kauffrau und arbeitet als langjährige Geschäftsführerin einer Unternehmensberatung im Rheinland. Seit Herbst 2011 findet die passionierte Erzählerin Gefallen am kreativen Schreiben.

Leseprobe



Mein Handy klingelte. Ich drehte mich schlaftrunken um und sah auf den Wecker. Es war Samstagmorgen. Halb fünf. Hä?, dachte ich. Wer wagt es denn um diese Zeit, mich anzurufen? Ich gähnte also ausgiebig und hörte Christian neben mir unmutig brummen. Wach wurde er wenigstens nicht völlig. Das Biest klingelte weiter und ich schnappte es mir. Ein Blick auf das Display zeigte mir eine Düsseldorfer Nummer. Und wenn ich richtig sah, eine aus der Klinik. Gar nicht gut. „Waidenfels“, meldete ich mich, nicht sonderlich begeistert. „Chiara, ich bin’s, Armin“, hörte ich auch schon, „Vogel.“ „Armin, ich weiß, wer du bist“, erwiderte ich ihm leise. „Was brennt denn?“ „Ach, Chiara, ich, äh ... Scheiße“, hörte ich ihn leise auf der Gegenseite. Ich war jetzt alarmiert, denn er klang überhaupt nicht gut. „Was ist los?“ Ich setzte mich auf und war schlagartig hellwach. Er seufzte laut. „Kannst du kommen, bitte? Ich brauche dich hier.“ So, jetzt war ich wirklich in Alarmbereitschaft. „Was, bitte, ist los? Ist was mit Andreas?“ Ich konnte ihn wieder seufzen hören. „Ja, leider.“ Vorsichtshalber hatte ich die Augen geschlossen, bevor ich nachgefragt hatte. Aber das half auch nicht. „Er ist offenbar schwer verletzt. Sie werden gleich mit der Not-OP anfangen“, erzählte mir Armin leise. Ich hielt die Augen geschlossen und wollte gar nicht hören, was er sagte. „Nein, bitte!“ „Es tut mir so leid, glaub mir das“, hörte ich durch dicke Schleier. Ich holte tief Luft und versuchte, meine Fassung zu behalten. „Was ist passiert?“ Ich merkte, dass Christian neben mir jetzt auch richtig wach war und sich hinsetzte. Ich fühlte seinen Blick mehr, als dass ich ihn sah. Er streichelte meinen Rücken. „Er, also, es hat einen Einbruch gegeben bei ihm, und ...“ „Und was?“ „Also er, ach, ich weiß es doch auch nicht so genau. Aber er hat ihn wohl gestellt oder überrascht oder ...“ Ich hörte, dass Armin die Stimme versagte, und atmete tief durch. Mir war schlecht. „Wie auch immer, er hat Stichverletzungen und deshalb fangen sie auch gleich an.“ „Machst du die Anästhesie?“ „Nein, mache ich nicht.“ „Wieso nicht?“ Ich war mehr als völlig am Ende. „Weil wir gut befreundet sind und ich auch keinen Dienst habe.“ „Armin, bitte! Wer macht die denn?“ Er seufzte leise. „Dr. Wegemeier. Ein Kollege, kennst du nicht, ist aber wirklich sehr, sehr gut, glaub mir das!“ Ich wusste gar nicht mehr, was ich glauben sollte. „Armin?“ „Hm?“ „Wie schlimm ist es?“ Er sagte erst einmal gar nichts. Dann: „Chiara, ich weiß es nicht, ehrlich. Ich habe ihn noch nicht sehen können.“ „Ich komme, so schnell ich kann“, versprach ich ihm. „Bitte!“ „Natürlich! Aber ...“ Ich stutzte. „Armin?“ „Er hat es dir nicht gesagt“, meinte der nach einer kurzen Pause sehr leise. „Was nicht?“ Er atmete kurz durch. „Dass du sein Patientenanwalt bist.“ „Ich bin was???“ „Sein Patientenanwalt. Das ist ...“ „Armin, ich weiß, was das ist! Seit wann?“ Er lachte traurig. „Seit letztem Sommer. Er hat das so hinterlegt.“ Ich stöhnte innerlich. Andreas legte also die Verantwortung für sein Leben in meine Hände! „Wer operiert? Kaufmann?“ „Das Team von Kaufmann.“ Dr. Kaufmann selbst kannte ich, denn der hatte im vergangenen Mai meine Operation durchgeführt. „Hast du ein gutes Gefühl dabei?“ „Ja, habe ich, wirklich!“ „Worum geht es denn eigentlich?“ Ich merkte, dass ich vollkommen durcheinander war. „Seitlicher Bauchraum, rechts. Ich hoffe, die Niere ist nicht betroffen, aber ich weiß es nicht.“ Ich seufzte leise und schloss die Augen. Ich merkte, dass mir die Tränen in die Augen traten und hielt sie deshalb weiter geschlossen. „Armin. Bitte tu, was richtig ist. Du hast alle Zusagen, die du brauchst, von mir! Ich bin auf dem Weg. Ich sehe, dass ich so schnell wie möglich bei euch bin!“ „Okay, ich danke dir! Bis bald!“ Er klang erleichtert. „Und, bitte, pass auf dich auf!“ „Du auch!“ Ich atmete tief durch und versuchte, meine Tränen zu unterdrücken. Das war jedoch alles andere als einfach. Christian sah mich überaus eindringlich an. „Was kann ich für dich tun?“, meinte er dann sehr ernst. Ich sah ihn hilflos an und versuchte weiterhin nicht zu weinen. „Ich muss nach Düsseldorf. Sofort. Kannst du das einrichten? Irgendwie? Bitte!“ „Was ist denn los? Falls ich dich das fragen darf.“ Ich sah ihn stumpf an. „Natürlich darfst du das. Aber ich weiß es nicht. Es hat wohl einen Einbruch gegeben bei Andreas und, also, ich weiß es wirklich nicht. Er scheint schwer verletzt zu sein und muss notoperiert werden. Ich muss hin!“ Mein Blick war wohl überaus verzweifelt und ich fühlte mich auch exakt ebenso. Christian betrachtete mich kurz eingehend und stand dann auf. „Gib mir einen Moment, ich sehe mal, was ich tun kann.“ Er kam zurück und sah mich wieder sehr ernst an. „Du kannst in einer halben Stunde starten. Schneider ist gleich soweit.“ „Was? Ich dachte, wir hätten hier ein Nachtflugverbot.“ „Haben wir auch. Und?“ „Wie, und?“ Er betrachtete mich konzentriert. „Verbote sind dazu da, in solchen Fällen umgangen zu werden, das kennst du do ch.“ Ich sah ihn an und registrierte ein feines Lächeln um seine Mundwinkel. „Und wie hast du das gemacht?“, fragte ich mal so ganz vorsichtig. Doch er sah mich nur dunkel an. „Der ADAC bekommt mit seiner Dornier Fairchild hier auch ständig Ausnahmegenehmigungen.“ Dazu zuckte er kurz mit den Schultern. „Außerdem solltest du jetzt langsam los“, bemerkte er anschließend. „Ich bringe dich zum Flughafen.“ Und er schlüpfte bereits in seine Hose. Ich zog mich auch in Windeseile an und steckte Handy und Papiere ein. Meine Tasche hatte ich sowieso schon weitestgehend gepackt. Eigentlich hätte ich ja am nächsten Tag fliegen wollen. Und meine Urlaubssachen ließ ich jetzt erst mal bei Christian. Ein paar Minuten später saßen wir im Wagen. Alexander hatte kurz seinen Kopf aus der Wohnung gestreckt und wollte alarmiert wissen, was los sei. Doch Christian hatte ihm nur schnell zugenickt. „Ein Notfall. Machen Sie sich bitte keine Umstände. Ich fahre selbst.“ Am Flughafen wartete Georg Schneider wirklich bereits schon und hatte den Learjet gerade startklar. Er sah Christian ernst an. Der nickte lediglich. „Frau Waidenfels, wir können, wenn Sie soweit sind.“ „Bin ich.“ Ich schaffte es kaum, ihn angemessen höflich zu begrüßen. Ich betrachtete Christian noch einmal liebevoll und dankte ihm für was auch immer er eingerichtet hatte, dass wir jetzt fliegen konnten. „Gib mir bitte Bescheid, wenn du da bist“, bat er mich sanft und strich mir noch zärtlich über die Wange. „Ich wünsche ihm alles Gute. Halt mich auf dem Laufenden, wenn das geht. Und lass mich wissen, ob ich noch etwas tun kann.“ Mir stiegen wieder die Tränen in die Augen und ich sah zu ihm auf. „Ich liebe dich! Danke!“ Dann stieg ich ein. Ein paar Minuten später startete der Learjet in Richtung Düsseldorf. Kurz bevor Schneider zur Landung ansetzte, gab er mir durch, dass bereits ein Taxi auf mich wartete, um mich zur Klinik zu bringen. Das tat es dann auch. Ich rief kurz Christian an, dass ich angekommen sei, und dann betrat ich mit zittrigen Knien die Notaufnahme. Armin hatte bereits auf mich gewartet und schleuste mich zum OP-Bereich. „Kaufmanns Team ist schon eine Weile dran. Soweit ich bis jetzt weiß, ist weder die Niere betroffen noch hat es den Darm oder die Leber erwischt.“ Er wirkte sehr erleichtert. „Er hat zwei Stiche. Ich habe aber gehört, dass sie glatt sind. Die Klinge war wohl auch nicht allzu breit und lang.“ Ich hingegen sah ihn nur an und versuchte, die Fassung zu behalten. „Das Zwerchfell hat wohl einen abbekommen. Das ist knifflig, aber nicht wirklich ernst. Kaufmanns Leute sind ganz hervorragend, was das alles anbelangt“, fuhr er fort. „Für mich wären mögliche Einblutungen das größere Risiko“, meinte er dann nur noch leise. „Wenn er Blut braucht, kann er meins haben, wenn es passt“, fiel ich ihm auch direkt ins Wort. „Chiara.“ Armin sah mich sanft an. „Wenn er überhaupt Blut braucht. Ich vermute aber, die Gefäßschäden sind sicher nicht allzu gravierend. Die Baucharterie ist nicht getroffen, das ist schon mal die Hauptsache.“ Er sah mich weiter so an. „Komm mal her.“ Ich erwiderte stumm seinen Blick und ließ, kaum dass er mich vorsichtig in den Arm genommen hatte, auch schon die Tränen laufen. Er hielt mich fest und hatte selbst um seine Fassung zu kämpfen. Irgendwie trösteten wir uns gegenseitig. Und nach ein paar Augenblicken löste ich mich vorsichtig von ihm. „Wieso bist du eigentlich hier? Ich meine, wieso seid ihr eigentlich hier?“ Armin wirkte extrem unglücklich, als er mich daraufhin ansah und nach Worten suchte. Er seufzte leise. „Simone war es so furchtbar übel und da haben wir abgesagt. Und Andreas wollte dann nicht alleine fahren.“ Ich konnte sehen, dass er stark mit seinem Gewissen zu kämpfen hatte. „Armin.“ Ich streichelte ihm kurz durch sein Gesicht. „Denk jetzt bitte nichts Falsches!“ Doch er sah mich nur weiter traurig an. Seine Lebensgefährtin war schwanger und hatte derbe mit morgendlicher, und nicht nur morgendlicher, Übelkeit zu schaffen. Deshalb hatten sie wohl die Fahrt nach Frankfurt für den Vorabend kurzfristig absagen müssen. Blöd gelaufen war wohl jetzt noch untertrieben, dachte ich zynisch. „Armin!“ Ich legte mehr Beherrschung in meinen Blick als ich eigentlich zur Verfügung hatte. „Das konntest du doch nicht wissen, ich bitte dich!“ Nun war ich an der Reihe, ihn in den Arm zu nehmen. Und so standen wir einige Minuten, bis auch er sich wieder im Griff hatte.